• Dauerchaos

    Berlin beginnt Kaufgespräche für S-Bahn

    Im Streit um Dauerverspätungen der Hauptstadt-S-Bahn kracht es erneut: Der Betreiber Deutsche Bahn dementiert Aussagen der Stadtentwicklungssenatorin, die Misere könne Jahre andauern. Die Politikerin hält in der FTD dagegen - und spricht von einem möglichen Kauf der Bahn durch Berlin. von Jens Tartler und David Böcking
    Berlins Stadtenwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hält an ihrer Aussage fest, laut Deutscher Bahn (DB) könne es bei der Berliner S-Bahn noch jahrelang zu Verspätungen kommen. "Die DB hat uns gesagt, dass sie drei bis vier Jahre braucht bis zum Normalbetrieb", sagte Junge-Reyer am Dienstag FTD.de. Zugleich kündigte sie an, Finanzsenator Ulrich Nußbaum werde Anfang des Jahres mit der Bahn Gespräche über einen Verkauf der S-Bahn an Berlin beginnen.
    Zuvor hatte die Deutsche Bahn Aussagen von Junge-Reyer zurückgewiesen. Laut dem Berliner "Tagesspiegel" hatte sie gesagt, die S-Bahn werde frühestens 2013 zum Normalbetrieb zurückkehren. Man gehe davon aus, "den Fahrgästen im Jahr 2010 auf allen Linien wieder einen normalen Fahrplan zu bieten", sagte Personenvorstand Ulrich Homburg.
    Junge-Reyer reagierte zurückhaltend auf die Ankündigung. Die Bahn mache "immer neue Versprechungen", sagte sie FTD.de. "Nach den Erfahrungen der letzten Monate sind wir sehr skeptisch, ob die S-Bahn die auch einhält."
    Die Politikerin verwies auf die Ankündigung der Bahn, Ende Januar werde man "nähere Aussagen treffen können, wie der Weg zum Normalfahrplan im nächsten Jahr aussieht." Die Bahn versuche "neu zu definieren, was ein normaler Betrieb ist. Das aber ist eben nicht die Einhaltung des von der Bahn zuvor selbst definierten Fahrplans."

    Die Berliner S-Bahn fährt seit einem halben Jahr nur mit Einschränkungen
    Laut Junge-Reyer sind einige Mitglieder des Senats der Meinung, für die 235 Mio. Euro im Jahr, die Berlin jährlich für die S-Bahn zahlt, könne die Stadt den Betrieb selbst übernehmen - und noch dazu einen Gewinn einfahren. Auch sie halte eine Rekommunalisierung für "grundsätzlich richtig".
    Eine sofortige Kündigung des Vertrags sei aber Unsinn. "In ihrem derzeitigen Zustand müsste die S-Bahn einen negativen Kaufpreis haben. Das macht die DB aber nicht." Der Vertrag mit der S-Bahn läuft 2017 aus. Ob der Betrieb anschließend erneut ausgeschrieben wird, ist noch nicht entschieden.
    Im "Tagesspiegel" forderte die Senatorin weitere Entschädigungszahlungen der Bahn. Das Unternehmen hatte Kunden im Herbst einen Teil der Abo-Preise zurückerstattet und die Gültigkeit von Tickets erweitert. Weitere Entschädigungen lehnt die Bahn aber bislang ab.
    In der vergangenen Woche hatte das Eisenbahn-Bundesamt die Betriebsgenehmigung der Berliner S-Bahn nur um ein Jahr verlängert. Indirekt drohte sie damit, die Betriebserlaubnis ganz aufzuheben. Wegen technischer Probleme an Radachsen und Bremsen kommt es seit einem halben Jahr zu erheblichen Einschränkungen des S-Bahn-Verkehrs in der Hauptstadt. Phasenweise fielen drei Viertel der Züge aus, derzeit sind 380 von 552 Viertelzügen fahrtüchtig.