• Zurück auf der Schiene

    Vor acht Monaten brannte der Modelleisenbahnladen Enge aus. Nun hat Peter Schneebeli ein neues Geschäft eröffnet. Der Brandstifter sitzt in Haft.

    Von Georg Gindely (Quelle: Tages Anzeiger, Feb. 2010)

    Der Modelleisenbahnladen Enge hat eine neue Heimat. Seit kurzem verkauft Peter Schneebeli seine Lokomotiven, Wagen und Schienen an der Alfred-Escher-Strasse 27. Doch in den Gestellen stehen keine neuen Waren, sondern verrusste Schachteln. Sie stammen aus Schneebelis früherem Laden an der Gotthardstrasse 54, der am 11. Juni 2009 ausbrannte.
    Ein drogenabhängiger Mann hatte den Brand gelegt; der Täter war auf den Bändern der Videoüberwachung zu sehen. Die Polizei hat ihn Anfang September gefasst. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Der Fall ist nicht abgeschlossen, die zuständige Staatsanwältin Myriam Ernst ermittelt noch. «Immer noch», seufzt Peter Schneebeli. Er wirkt ruhig, doch in ihm brodelt es. Die letzten Monate seien hart gewesen, die schwierigsten seines Lebens.

    Polizei verdächtigte Inhaber

    Er verlor nicht nur seinen Laden und einen grossen Teil seines Sortiments. Er
    verlor auch beinahe seine Existenz und seine Ehre. Denn die Ermittler verdächtigten ihn, die Brandstiftung in Auftrag gegeben zu haben. Das hatte zur Folge, dass die Versicherung den Schaden nicht decken wollte. Er beläuft sich laut Schneebeli auf 400 000 bis 500 000 Franken. Mittlerweile ist Schneebeli vom Vorwurf der Brandstiftung entlastet. «Der Verdacht gegen ihn hat sich nicht erhärtet», sagt Staatsanwältin Ernst. Der Brandstifter habe ausgesagt, ohne Auftrag gehandelt zu haben, und es gebe keine Hinweise darauf, dass seine Aussage nicht stimme. Nun dürfte auch die Versicherung für Schneebelis Schaden aufkommen. Der Ladeninhaber ist erleichtert, auch wenn er noch
    viele offene Fragen hat. «Der Fall ist mysteriös», sagt er. Dass er in den letzten Monaten nicht aufgegeben habe, sei vor allem zwei langjährigen Bekannten und seinen Kindern, aber auch seinen Kunden zu verdanken. «Ohne ihren Zuspruch hätte ich wohl keinen neuen Laden eröffnet.»
    Wenn die Versicherungssumme eintrifft, will Schneebeli wieder so richtig loslegen. Er wird im März 65 Jahre alt, aber an den Ruhestand denkt er noch lange nicht. Er hat grosse Pläne. So will er auf der Allmend Brunau eine riesige Modelleisenbahnanlage aufbauen. Vorbild ist das «Miniatur-Wunderland» in der Hamburger Speicherstadt, eine
    heute 1150 Quadratmeter grosse Modelleisenbahnlandschaft, die laufend ausgebaut wird. Das «Miniatur-Wunderland» ist ein Besuchermagnet. «So etwas würde auch Zürich sehr gut tun», ist Schneebeli überzeugt.

    Schweiz im Miniaturformat

    Sein Projekt «Kleine Traumwelten», in dem er die Schweiz im Miniaturformat
    nachbilden will, ist noch nicht ausgereift. Es fehlen unter anderem Standort und Geldgeber. Eine Stiftung ist aber bereits gegründet. Dieses Jahr will Peter Schneebeli seine Idee weiterentwickeln. Er glaubt, dass damit auch Modelleisenbahnen eine Renaissance erleben könnten. Das Geschäft lahmt nämlich. Die Kunden werden immer älter, die Hersteller sind in Schwierigkeiten, und in Zürich gaben mehrere Läden auf – wie derjenige an der Marktgasse in der Altstadt. Heute sind laut Schneebeli noch fünf Geschäfte in der Stadt auf Modelleisenbahnen spezialisiert.


    Peter Schneebeli in seinem Laden. Er träumt von einer riesigen Modelleisenbahnanlage auf der Allmend. Foto: Sophie Stieger