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Fichten und Laubbäume (fast) selbst gebaut

plusplus

Teammitglied
Super-Moderator
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen

Mit Interesse verfolge ich jeweils die verschiedenen Wege, die zum kostengünstigen Herstellen von Nadel- und Laubbäumen führen können.
Gerne dokumentiere ich hier meine Methode.
Wobei ich gleich einleitend gestehen muss, dass diese Methode nicht auf meinem Mist gewachsen ist: In einem MIBA-spezial - aber vermutlich auch anderswo - wurde vor einigen Jahren der Bau von Fichten beschrieben.
Zudem dienen mir die vor einiger Zeit auf einer Ausstellung gekauften (massiv runtergeschriebenen) Bausätze von Silhouette/MiniNatur als Muster.

_b_211123 Fichten 01_red.jpg
Diese zwei (Wetter)fichten dienen mir als Vorbild für den Selbstbau.

Die Länge meiner selbst erstellten Fichten beträgt 15 bis 22 cm.
Der Stamm meiner Fichten besteht aus zwei 1 bis 1.5 mm dicken runden Messingprofilen, die Äste aus 0.5 bis 0.6 dickem Messingdraht (weich, Bastelbedarf).
Vorab baue ich eine Lötlehre. Man kann eine solche auf einem Holzbrett mittels Nägel erstellen. Praktischerweise verwende ich dazu aber eine gelochte sog. Lötplatte, man kann dadurch auch mit den Formen der Fichten varieren (Wetterfichte, Hochstammfichte, Innenwaldfichte, Serbische Fichte ...).

Der erste Messingdraht für den Stamm wird in der Mitte der Lehre befestigt, danach wird der Draht für die Äste von oben nach unten grob um die Seitennägel gewickelt (s. Bild) und mit dem (unteren) "Stammdraht" verlötet. Danach wird ein zweiter "Stammdraht" über die Äste gelegt und diese zwei Drähte miteinander verlötet. Dazu brauchts einen Lötkolben von ca. 60 bis 100 Watt. Wichtig ist, dass genügend (!) Lötzinn zwischen den beiden den Stamm bildenden Drähten gut fliesst.
Nach dem Rauslösen aus der Lötlehre werden mit dem Seitenschneider die Abrundungen der Äste weggeknipst und letztere etwas in Form gebracht.

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Lötlehre mit verlöteten Ästen

_b_220110 Fichten Sb 11_red.jpg
Baumrohling, gereingt

Danach müssen die Äste der Fichte in die endgültige Position gebracht werden. Man biegt diese von unten nach oben beginnend rund um den Stamm zur Seite. Ich achte darauf, dass unter den Ästen jeweils genügend Raum vorhanden ist für die (z.T. hängende!) Benadelung der darüber liegenden Ästen.

_b_220110 Fichten Sb 13_red.jpg

_b_220110 Fichten Sb 14_red.jpg

In einem nächsten Schritt werden Stamm und Äste gründlich gereinigt (entfettet) und danach mit einer Rindenimitation versehen. Dazu verwende ich Quarzsand, man kann aber ebensogut andere Materialien verwenden wie feines Sägemehl, Streufasern o.ä.; ich verwende den Quarzsand beige, weil ein solcher Behälter von Busch bei mir seit Jahren ungenutzt rumliegt.
Zuerst wird der Stamm mit Acrylbinder oder unverdünntem Weissleim satt bestrichen und danach mit dem Quarzsand bestreut. Wenn nötig - ist meistens der Fall - nach dem Trocknen ein zweites Mal bestreichen und nochmals bestreuen. Die unbenadelten Äste werde ich zukünftig nicht mehr mit Acrylbinder bestreichen, sondern mit verdünntem Weissleim, damit der Auftrag nicht zu dick wird.

Danach wird das "Gehölz" mit wasserlöslicher Mattfarbe dunkelbraungrau eingefärbt. Wobei: Ich bin mit dieser Farbgebung noch nicht ganz zufrieden. Ich werde versuchen, die Stämme mit ein wenig hellgrau noch zu granieren.

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Mittels der Lötlehre und dem Seitenschneider kann man verschiedene Formen erstellen

Die Benadelung kann bei der hier beschriebenen Methode als Kompromiss zwischen "teuren Bäumen" und "kostengünstig" betrachtet werden. Ich verwende die Benadelungsmatten von Silhouette bzw. MiniNatur. Solche können direkt von Silhouette oder auch in der Schweiz bezogen werden.

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Aus der Benadelungsmatte werden quadratische bis rechteckige Stücke geschnitten - Astlänge ist massgebend - und danach mittels Haarclipsen mittig vorgefaltet.

_b_220305 Fichten Sb 20_red.jpg

Nun wird jeweils Ast um Ast (nur Oberseite!!!) mit Alleskleber von Tesa oder UHU bestrichen und nach und nach die vorgefalteten Nadelteile auf den Ästen (wieder) mittels Haarclipsen befestigt. Der Baum wird danach bis zum Abbinden des Klebers verkehrt aufgehängt.

Wenn genügend Aufhängemöglichkeiten bestehen, können gleichzeitig zwei bis vier Bäume benadelt werden. Diese Benadelungsmethode kann allerdings etwas kniffelig sein; das heisst, man muss sich Zeit nehmen und Geduld haben.

Ist der Baum bis obenhin fertig benadelt, muss man die Äste noch mittels Nagelschere etwas in Form trimmen. Vorab schnipple ich in die Benadelung von unten Schnitte in etwa 90° zum zugehörigen Ast. Auch eine von Innen gegen aussen abnehmende Länge der hängenden Benadelung erstellt man mit der Schere. Zuletzt bringt man insbesondere die grossen Äste in die typisch Fichten-Form: Am Stamm runterhängend und danach wieder gegen oben gebogen. Einfach mal draussen im Wald eine Fichte anschauen, nötigenfalls kann es auch nur eine Gartenvariante sein ...

_b_220309 Fichten Sb 00_red.jpg Typische Astform einer (Serbischen) Fichte

Nachfolgend meine erste selbstgebaute Fichte, es handelt es sich um eine sog. Hochstamm- bzw. Innenwaldfichte. Solche bilden sich vor allem innerhalb des Waldes bei entsprechendem Lichtmangel infolge Unterholz. Derart geformte Fichten sind als typisches Waldbild nach grösserem Holzschlag oft zu sehen.

_b_220305 Fichten Sb 17a_red.jpg Innenwaldfichte (die typische Astform fehlt noch)

Abschliessend sei nochmals gesagt: Es führen viele Methoden zum Ziel. Für mich stimmt die hier beschriebene (im Moment noch)
:D
- und wer's auch mal versuchen will, dem wünsche ich damit schon jetzt viel Erfolg.
 

LuciMain

Zugbegleiter
sehr schön! Hab mich damit auch schon auseinandergesetzt und viel getestet! Die ergebnisse können sich sehen lassen. Mein Vorgehen war aber doch ziemlich anders :D wie sehen die tannen auf Nahaufnahmen aus? (Das ist für mich wichtig da hauptsächlich dioramenbau)
 

plusplus

Teammitglied
Super-Moderator
Zu deinen Fragen: Was sind Tannen? Nötige Details für den Dioramenbau?

An Nadelhölzern findest du in unserern Wäldern, je nach Höhe ü.M. vor allem
  • Weisstannen (echte Tanne),
  • Fichten oder Rottanne, eigentlich keine Tanne, sondern eine Art Kiefer (Bau in #1 beschrieben),
  • typische Kiefernarten, wie Föhre, Arve (Alpen) u.ä,
  • Lärche (insb. in den Alpenregionen, vermehrt auch wieder im Mittelland)
  • ...
Die Fichten zeichnen sich durch ihre typische Astform aus: schräg nach unten hängend um sich dann ab Mitte Ast wieder gegen oben zu biegen. Die Vorbildfoto in #1 zeigt allerdings eine serbische Fichte im Garten, die Astform unterscheidet sich jedoch nicht von den Ästen unserer einheimischen Fichten.
Nebst der Grundform ist natürlich auch die Lage der Bäume für ihre Form massgebend (Mischwald, Monokultur, dicht stehend, frei stehend usw.).
Astform und Benadelung der Weisstannen unterscheiden sich in einigen Details von den Fichten. Vor allem die Benadelung ist eher breit, fächerartig, diejenige der Fichten eher hängend, zottelartig. Dazu findest du viele Bilder im Netz ...

N.B. Irgendwann in nächster Zeit werde ich mal eine Weisstanne basteln - Modellfoto also zu gegebener Zeit ...
 

LuciMain

Zugbegleiter
da hast du mich wohl falsch verstanden :shocked: bei den dioramen gehe ich oft mit der Kamera sehr nahe ran und darum habe ich gefragt, wie deine Fichten mit einer Nahaufnahme aussehen.
 

plusplus

Teammitglied
Super-Moderator
Hab' ich wohl, ja.
Ich werde hier gelegentlich (!) eine Ausschnittvergrösserung einer besonders gut gelungenen Fichte raufladen ... aber ich betone, der Aufwand ist nicht zu unterschätzen - wobei das beim Dioramenbau auf Grund der Anzahl Bäume vermutlich eher vernachlässigbar ist ;)
 

Bastler

Teammitglied
Super-Moderator
Hoi zäme

ja und Weistannen haben zudem den Vorzug, dass sie etwas kleiner sind als die Rottannen, so das bei einer modellmässigen Umsetzung in 1:45 nicht gerade ein Baum mit der Höhe eines Spazierstockes auf die Anlage gesteckt werden muss.

Gruss Barni
 

plusplus

Teammitglied
Super-Moderator
Hier noch zwei nicht so gross gewachsene Fichten.

_b_220404 Fichten Sb 21.jpg

Die im Wald oder im Gebirge wachsenden Fichten sehen natürlich nie so "kultiviert" und gepflegt aus, wie die oft bei uns in Gärten oder Pärken anzutreffenden Serbischen Fichten.
Auf Fotos findet man auch sofort gewisse Fertigungsmängel, so sind bei der Fichte rechts (noch) nicht alle Äste so getrimmt, wie ich's eigentlich vorgesehen hätte ...
 

plusplus

Teammitglied
Super-Moderator
Hey Kolleginnen und Kollegen

Inzwischen musste ich mich auch mit dem Bau von Laubgehölzen auseinandersetzen. Auf den kompletten Selbstbau habe ich bis anhin allerdings verzichtet.
Vor einiger Zeit habe ich bei OPM in Stäfa einige Bausätze von Woodland erstanden. Der nachstehend gezeigte Bausatz besteht aus 2 Laubbäumen von je ca. 17 cm Höhe. Diese eignen sich bei mir bestens als freistehende Solitärbäume.
Das Grundgerüst (Stamm und Äste) besteht aus gut biegbarem Weissmetal. Aus dieser gegossenen Grundform entseht relativ einfach durch formen und biegen die natürliche Struktur eines Laubbaums. Diese noch unbelaubte Bäume habe ich mittels Spraydosen von Humbrol lasierend braun und grau eingefärbt.

_b_250211 W_Soltär Rohlinge 02_red.jpg_b_250211 W_Soltär Rohlinge 01_red.jpg

Für die Belaubung enthält der Bausatz eine Art Matte aus dunkelgrünem Schaumstoff; diese Belaubung aus Schaumstoff gefällt mir allerdings überhaupt nicht. Ich habe deshalb ein Flies von Silhouette/Mininatur verwendet, welches meines Erachtens viel natürlicher aussieht.

_b_250211 W_Laubbaum solitär gross 01_red.jpg

Zum Vergleich nachstehend noch ein Bild einer Buche von MBR, ca. 14 cm hoch.

_b_250211 MBR Buche mittel 01_red.jpg
 

plusplus

Teammitglied
Super-Moderator
Hallo zusammen

Nun geht's darum, für den Mittel- und den vorderen Hintergrund eine grössere Anzahl Laubbäume herzustellen. Für dieses Gehölz (Bäume und Büsche) verwende ich das vielfach bewährte Seemoos, auch Meerschaum genannt.

Gekauft habe ich einen Karton gefüllt mit Seemoos bei PEWI, Architekturbedarf in Bern, zu einem relativ guten Preis. Über die Herstellung von Laubbäumen mittels Seemoos findet man im Netz zahlreiche gute Anleitungen.

Nachstehend eine bebilderte Kurzbeschreibung meiner Methode:

Schritt 1
Die einzelnen rohen Seemoosbäume wenn nötig mit der (Nagel)schere zurecht trimmen und für drei bis vier Tage ins Wasserbad legen, damit das "Holz" schön weich wird.


_b_250317 SbLaubbaum 00_red.jpg

Schritt2
Danach werden die Bäume ein bis zwei Tage zum Trocknen verkehrt rum aufgehängt. Am Wipfel wird ein nicht zu schweres Gewicht angeklemmt; dadurch erhalten die vorher teilweise krummen Rohlinge eine gerade Form(siehe nachstehendes Bild).

_b_250317 SbLaubbaum 02_red.jpg

Schritt 3
Rohling braun/grau einfärben (sprayen oder tauchen)

_b_250317 SbLaubbaum 01_red.jpg

Schritt 4
Nach dem Trocknen der Farbe tauche ich das Geäst vorsichtig in ein Leim-Wassergemisch (1:6). Wichtig ist dabei, dass der Stamm und die unteren grösseren Äste keinen Kleber abbekommen.

Schritt 5
Unmittelbar danach sind allfällige Schwimmhäute des Leimgemischs im Geäst wegzublasen. Damit verhindert man ein mögliches verklumpen des Laubguts.
Sofort danach wird der noch leimfeuchte Baum mit Laub bestreut. Ich verwende die Laubblätter von NOCH.
Farbtöne: mittelgrün, mittelgrün/hellgrün gemischt oder dunkelgrün/hellgrün gemischt. Hellgrün alleine ist für meinen Geschmack zu "knallig".

_b_250317 SbLaubbaum 04_red.jpg


Mit kleineren Seemoosteilen oder abgrochenen Ästen stelle ich Büsche und Sträucher her.

_b_250317 SbLaubbaum 06_red.jpg


Mit diesen Seemoosgehölzen werde ich nicht zuletzt auch versuchen, den Übergang des Geländes zur Hintergrundkulisse zu kaschieren. Bilder zu gegebener Zeit...
 
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Bastler

Teammitglied
Super-Moderator
Hoi René

Danke für deinen informativen Beitrag.

Sind die Bäume nach der Prozedur komplett trocken und brüchig, oder haben sie noch etwas Elastizität?

Gruss Barni
 
Zuletzt bearbeitet:

plusplus

Teammitglied
Super-Moderator
Ich würde sagen: Sie sind nicht mehr dermassen brüchig, wie wenn sie roh aus der Schachtel kommen.
Möglicherweise hat das Wässern einen bestimmten Einfluss, sicher aber auch das Tauchen der Äste in den verdünnten Weissleim. Zudem kann man den Baum nach der Belaubungsprozedur zum zusätzlichen Fixieren des Laubes noch mit einem Mattlack besprühen.
 
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